Bimen Şen(1873 - 1943)

 


 Arsoy

                                                                                       



Bimen Şen wurde 1873 in Bursa als viertes Kind armenischer Eltern geboren. Sein eigentlicher Name war Bimen Dergazaryan. Seine Familie war sehr musikalisch, in der Kirche wurde man auf seine schöne Stimme aufmerksam. Schon mit 11 Jahren wurde er dem berühmten  Haci Arif Bey (Komponisten) vorgestellt, der von seiner Stimme begeistert war und ihm empfahl nach Istanbul zu gehen, um sich dort musikalisch weiter bilden zu lassen.
Trotz starker Bedenken seiner Familie ging er im Winter 1887 (14-jährig) nach Istanbul. Doch schon nach kurzer Zeit waren seine finanziellen Mittel erschöpft. Es begann nun eine Zeit von Hunger und Elend, die ihn nach gescheiterter Arbeitssuche mittel- und obdachlos in die Kirche trieb. Eine glückliche Fügung des Schicksals wollte es, das sich genau zu diesem Zeitpunkt ein frommer armenischer Bankier in der Kirche befand, der sich seiner annahm. Er arbeitete ein zeitlang bei ihm bis er sich als freier Händler (genaueres ist unbekannt) selbstständig machte.

Im Laufe der Zeit lernte er nun viele berühmte Musiker kennen, wie z.B. Tanburi Cemil Bey, Neyzen Aziz Dede, Şevki Bey und andere. Zeit seines Lebens wurde er als Sänger sehr geschätzt. Nie sang er in so genannten Gazinos, [Kasinos]. Er sang nur bei privaten Musik­treffen und gab Konzerte. Auch an Plattenaufnahmen nahm er Teil. Bei einem Interview ant­wortete er, er könne kein Instrument spielen und keine Noten schreiben. Seine Kompositionen wurden laut seiner Aussage von anderen niedergeschrieben. Atatürk lud ihn des öfteren nach Ankara und in den Dolmabahce Saray (den Sultanspalast in Istanbul) ein, wo er einige Male für ihn sang.

Bimen Şen verdiente nichts mit seiner Kunst als Sänger, wie auch als Komponist, was ihn zunehmend verbitterte. Er zog sich immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück und lebte am Ende seiner Tage von seinen wenigen Ersparnissen. Bimen Şen starb am 26. August 1943. An seiner Beerdigung auf dem Armenischen Friedhof von Istanbul (im Stadtteil Sisli) nahmen viele bekannte Persönlichkeiten wie Lemi Atlı, Neyzen Riza Bey, Tanburi Dürrü Turan, Sadeddin Kaynak, Kanuni Artaki Candan u.v.a. teil. Bimen Şen komponierte über 600 Werke; seine Gedichte inspirier­ten ihn zur Komposition. Iskender Samli veröffentlichte 220 Werke von ihm, sowie einige Märsche. Bimen Şens große Verdienste für die türkische Kunstmusik liegen vor allem im Bereich der Fasil-Musik, die eine eigene Art der Chormusik ist. Diese Musik stellt dabei besonders hohe Ansprüche an die Sänger. Die meisten Werke komponierte er für folgende Makam-Arten: Uşşak, Hicaz, Hicazkar, Kürdili-Hicazkar, Hüseyni, Segah und Hüzzam.